Familie

Alles begann damit, dass Otto Bruker, mein Urgroßvater der zu dieser Zeit hauptberuflich Bauer war, nebenher einige kleine Weinberge bestellte. Dies war vor ca. 70 Jahren, um 1930 herum. Otto Bruker hatte, als es um die Gründung einer Weingenossenschaft ging, sich nicht dem Schritt seiner Berufskollegen angeschlossen, in eine solche einzutreten, sondern entschied sich dafür seinen Wein selbst herzu- stellen. So wurde 1935 eine Genossenschaft tatsächlich gegründet, aus dieser heute die Bottwartalkellerei hervorgeht, aber ohne Otto Bruker.

Otto war nicht nur Bauer mit guten Lagen, sondern auch ein guter Weingärtner, deshalb hatte er schon damals nie Probleme seinen Wein abzusetzen. Schon zu Lebzeiten übernahm mein Großvater Rudolf Bruker den Betrieb, das heißt den Bauernhof mit Nebenerwerb Wein. So sollte es auch vorerst bleiben, bis Rudolf starb und den Betrieb mein Vater Herbert Bruker übernahm. Dies geschah 1974.

Schon ein Jahr später modernisierten meine Eltern die Stallungen und die Scheune. Zugunsten der Weinwirtschaft wurde ein Besen als Dauereinrichtung geschaffen. 1977 wurde die Besenwirtschaft „Wengerterstüble“ zum ersten Mal eröffnet. Anfang der 80er Jahre kam dann im Gewann Harzberg eine Flurbereinigung, wobei die Terrassenlagen in Direktzuglagen (Flur-)bereinigt wurden.

Im Dezember ´82 erhielt Herbert Bruker seine erste Preismünze (Bronze) bei der Landesweinprämierung. Nur zwei Jahre später, zu dieser Zeit hatte man noch 45 Kühe im Stall und zwei große Futtersilos, entschloßen Herbert und seine Frau Magdalene sich dazu die Kelter groß umzubauen: Er baute 50.000 Liter Tankraum in Plastiktanks (vorher alte Holzfässer) und einen vollisolierten Keller, bei ca. 8-10 °C auf dem bestehenden Anwesen, sowie einen großen Geräteraum und eine überirdische Kelter, daneben noch einen zweiten größeren Geräteschuppen (für die Landwirtschaft).

Herbert wurde nun zum größten privaten Winzer in Großbottwar.
Und er bekam nun auch eine Konzession für die Besenwirtschaft.
Zu diesem Zeitpunkt, 1984, hatte der Familienbetrieb ca. 2,5 ha

Eigene Weinberge (fast ausschließlich in der Lage Harzberg, der Rest war nur ein Weinberg mit 20 ar in Winzerhausen und ein Weinberg mit 12 ar in Mundelsheim).

Dies war der Anfang einer rasanten Entwicklung, ab nun ging es „Schlag auf Schlag“, 1985 erhielt der Betrieb Bruker den silbernen Preis bei der DLG-Bundesweinprämierung, welchem noch viele Preise folgen sollten. Ermutigt durch die Erfolge, beschloß Herbert mit seiner Frau nun den verbleibenden Rest des Bauernhofes aufzugeben und sich ganz dem Weinbau zu widmen. Die Kühe und Silos wurden verkauft.

Zur gleichen Zeit, versuchte Herbert auch über die städtischen Grenzen hinaus seinen Wein anzupreisen, welches ihm auch mit Erfolg gelang. So machte er sich durch eine Weinprobe in Bonn beim Gewerbeförderungswerk, welche durch positive Zeitungskritik Anklang fand, dort neue Kunden.
Zuerst bekam er in ganz Deutschland neue Kunden, Wenigabnehmer.
Bis dann auch Hotels, wie z.B. Mövenpick oder Weiterverkäufer, wie Weinland Keiler auf ihn aufmerksam wurden und nun mehrere tausend Flaschen regelmäßig abnehmen.

1987, meine Eltern hatten herausgefunden, dass der Besen allgemein guten Anklang gefunden hatte, wurden der alte Stall nun zu einer großen Besenwirtschaft mit 60 Sitzplätzen umgebaut, sowie einer große Gartenterrasse. Da man Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten hatte, entschloß man sich im oberen Stockwerk eine Pension mit acht Zimmern mitzubauen. Ein Jahr später erweiterte man schon, dank guter Nachfrage, auf 12 Zimmer.

1989 schon trat der Betrieb in den Verband der selbstvermarkenden Weinbaubetriebe Württembergs (VSWW) ein. In diesem Jahr gewannen wir auch in der DLG-Prämierung 1 mal Gold und 1 mal Bronze. Im gleichen Jahr versucht sich mein Vater mit Erfolg in Ausbau von Barriqueweinen und ein Jahr später verkaufte man selbstgemachten Traubensaft. Dies war der Anfang der Nischenprodukten.

Man versuchte den Betrieb nach außen hin bekannt zu machen und vorzustellen. Hierzu diente 1991 die „Gläserne Produktion“, die vom Land Baden-Württemberg ins Leben gerufen wurde. In zwölf Betrieben im Kreis, darunter unser Weingut, sollten der Öffentlichkeit Einblicke verschafft werden. Dieser „Tag der offenen Tür“ war ein voller Erfolg.

1992 eröffneten wir unseren Gewölbekeller für Weinproben, dieser hat früher als Flaschenlager gedient.
Auch innerorts versuchte man zu werben, indem wir an der Leistungsschau in Großbottwar teilnahmen. Hier präsentierten sich alle selbstständigen Betriebe. 1993 entschied nun auch ich mich endgültig für diesen Berufsweg als Winzer, indem ich beim Weingut Sankt Annagarten eine Lehre begann. Bei den Wein- und Kulturtagen im Bottwartal stellten wir neben sechs anderen Weingütern nun auch jede zwei Jahre unsere Weine vor. Bei der Württembergischen Weinprämierung, sowie bei der Bundesweinprämierung holten wir weiter Preismünzen. Bis wir 1995 sogar den Ehrenpreis bei der Württembergischen Weinprämierung bekamen und somit beim ersten Gipfeltreffen „ des Württembergers“ in Heilbronn teilnehmen durften.

In diesem Jahr hielt mein Vater seine erste Weinprobe im Ausland in Holland. Zum gleichen Zeitpunkt führten wir den Perlwein bei uns ein mit den Namen „Brusecco“. 1996 kamen wir mit einem neuen Produkt, den Aperitifessig, aus unserer Kerner Beerenauslese, auf den Markt. Noch zu erwähnen wäre die Anpreisung unserer Weine bei der Deutschlandweinprobe des Weinland Keilers und einer Weinprobe im Hotel Mövenpick. 1998 war wieder ein aufregendes Jahr, in diesem Jahr hatten wir in einer Familiensitzung beschlossen uns zu erweitern:
Der Schuppen wurde abgerissen; hier entstand ein Flaschenkeller für ca. 100.000 Flaschen. Darüber wurde ein Maschinenraum und eine Garage für Traktoren, sowie ein Etikettierraum gebaut. Hierdrauf entstand ein Hotel mit 15 Zimmern und einem Seminarraum. Im selben Jahr nahmen wir an der bekannten Schmuckmesse „ Midora“ in Leipzig teil. Zu unserer besonderen Freude erhielten wie in diesem Jahr zum zweiten Mal den württembergischen Ehrenpreis. Wir renovierten 1999 unser zweites Standbein neben dem Weinbau, das Hotel(die alte Pension) und erhielten in diesem Jahr auch die drei Punkte Klassifizierung (für unser Hotel). Hier kann man sehr gut erkennen, daß sich die drei Faktoren Wein, Besen und Hotel sich bei uns gegenseitig ergänzen.